2.8.65 23:55 - Ulf

2.8.65 23:55



Ich sitze in dem kleinen Zelt und höre den Gesang aus den Kohten. Heute abend haben wir Cheffrie mit seiner Gruppe eingeladen, da wir morgen das Lager höchstwahrscheinlich verlassen, denn der Lagerleiter verlangt, daß wir 3 Tage auf Hike gehen und das wollen wir nicht.
- Eben wünscht Care Nöck einen guten Morgen.-
Da es jetzt schon der 3. August ist werde ich noch kurz von gestern Nachmittag schreiben.
Nach dem essen gingen wir auf einen Berg. Die Steigungen nahmen kein Ende. Doch dann hatten wir die schottischen Hochmoore erreicht. Dort versackten viele von uns. Ali mußte sogar zum Lager zurück gehen. Während wir durch die Hochmoore wanderten, fanden wir 4 Schädel. Einen nahm Claudius, die anderen ich.
- Gerade höre ich, wie sich diejenigen in der Kohte eine gute Nacht wünschen.-
Die Londoner Gruppe geht zu ihren Zelten und die anderen bleiben noch in der Kohte. Ich werde jetzt noch meine Schädel in Plastiktüten packen und dann schlafen.

Ulf

2.8.65 16:50 Besuch der „echten CPer“

2.8.65 10:20 - Ulf

2.8.65 10:20

Wir liegen vor unseren Zelten und hören uns die Lieder der Engländer an. Otto liegt neben mir und wartet vergebens auf die Sonne. Fünf von uns sind zu Lagerarbeit eingeteilt. Heute morgen aßen wir unser erstes echt englisches Frühstück. Gerade sind die Engländer weggegangen und nun versucht sich Otto an der Gitarre.

Ulf

2.8.65 8:35 - Ulf

2.8.65 8:35

Wir sitzen hier im Camp am Loch Earn. Die anderen singen während ich schreibe. Von Callain aus sind die Älteren hierher getrampt. Wir anderen sind bis Comrie mit dem Bus gefahren. Von dort trampten auch wir. Um 20:00Uhr war die erste Gruppe (Rolli und Christa) im Lager. Sie bekamen von Klaus 1 Schilling als erste Gruppe. Da es 9:00 ist, müssen wir jetzt essen gehen.

Ulf

1.8.65 5:55 - Ali

1.8.65 5:55

In Preston angekommen. Wir warten auf den Bus, der uns weiter bringt. Um das oben angefangene fortzuführen...
An der ersten Haltestelle also.
Wir krabbelten etwas schlaftrunken aus dem Bus und konnten zunächst mal endlose Reihen von schweren Motorrädern bewundern. Als wir dann staunten, waren in der und um die Gaststätte so viele „Leute“ waren, konnten wir leicht die Besitzer der Motorräder herausfinden.
An die hundert, langhaarige, lederbejackte und mit Sturzhelmen und Gummistiefeln bewehrte, „Knaben und Mädchen“ lungerten dort herum.
Die Rockers.
Wie wir von Londoner Pfadfindern erfahren haben, der 59. Club (die Kirche kümmert sich um die einzelnen Clubs).
Einer der Rockers zeigte sich gesprächig und erklärte, daß alle aus einer Gegend in Coventry stammten, und sich einander kennen. Nächstes Jahr wollte er nach Deutschland fahren und an Rallies teilnehmen.

Ali

1.8.65 4:15 - Ali

1.8.65 4:15



Schon die zweite Haltestelle auf dem Wege von London nach Preston.
Jedes mal halten wir mindestens 40min.
Dieses mal sogar länger.
Hinten im Bus schreit ein Säugling. Auf der ersten Haltestelle sahen wir etwas für uns Deutsche wohl einmalig. Ver... der Bus fährt wieder.

Ali

31.7.65 19:42 - Ali

31.7.65 19:42

Inzwischen sitze ich im heim (wieder).
Botti ist „wohin“. Wir haben die Towerbridge besichtigt und wollten dann wieder zu Woolworth um „some rolls with ham and tomatoes“ zu essen. Aber Woolle hatte inzwischen schon zu, obwohl hinter der Eingangstür groß und deutlich ein Schild war, auf dem stand: „Open till 6:30 p.m.“!
kurz vorher hatten wir uns Obst gekauft. Die Verkäuferin (Formen wie eine Hofbräuhausdame) schien zu meinen, wir seien … .
Sie erklärte uns Stundenlang wieso wir wie viel Wechselgeld bekämen. Aus ihrer Erklärung wurden wir zwar nicht schlau, aber wir hatten inzwischen herausbekommen, daß es stimmte.

Ali

31.7.65 - Ulf

31.7.65




Ali und ich sitzen an der Themse und betrachten die Docks. Wir ruhen uns hier von dem anstrengenden Gang durch die „SLUMS“ aus. Dort hatten wir zwei Kirchen (eine katholische und eine evangelische) besichtigt. In der katholischen hat uns der Pfarrer alles gezeigt und dabei erklärt wie alt es sei. Die Slums hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt. Nur ein Gässchen entsprach unseren Vorstellungen. Dort waren viele Farbige, die vor Kneipen herumlungerten. Einer von ihnen sprach uns an und meinte, daß über unserem Deutschlandband noch „Germany“ stehen müßte. Außerdem wollte er uns einiges in London zeigen, da uns aber nicht ganz geheuer war, verzichteten wir darauf.
Während ich hier sitze und schreibe, werde ich andauernd von einem „Ice-man“ gestört, der mit einem Glockenspiel die Leute von seinem „Da sein“ benachrichtigt.



Bevor wir in die „Slums“ gingen, waren wir im „Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds“. Wir sahen u.a. „Lord Baden Powell“.
Heute morgen waren wir (Ali und ich) die ersten, die aufstanden aus diesem Grund wollten die anderen nicht mehr mit uns sprechen. Sie hielten das aber nicht einmal bis nach dem Frühstück aus. Jetzt werden wir noch durch die Slums zur Towerbridge gehen und dann zum Heim.

Ulf

30.7.65 - Ali

30.7.65

Frühstück um 8:30.
Auszahlen des Tagessatzes (-,10,- je Nase)
Danach Freizeit bis 22:00.
In Gruppen von zwei bis drei Mann zogen wir los, um uns London anzusehen. Horst und Otto sahen sich zum Beispiel das Wachsfigurenkabinett an und gingen nach Soho.
Botti und Ali gingen mit Rodger nach Westminster, sahen sich am Buckingham Palace das Changing-Guards an, bewunderten Downingstreet No. 10 und Botti kaufte sich im hiesigen Pfadfinderladen die Halstücher der Gruppen 2nd Trotteridge und 3rd Trotteridge. Außerdem kaufte er
sich echt pfadfinderische Manschettenknöpfe für -,4,- (Ali übrigens auch).
Um 18:00Uhr trafen sich die meisten (Nöck, Claudius und Karu wollten nicht mit kommen) am Trafalger Sq.
Wir suchten uns dann ein nettes (und besonders ein billiges) Restaurant, aßen dort Abendbrot (von -,3,6 bis -,11,-) und waren vergnügt. Ali rauchte seine neue Pfeife an. Um 20:30 mußten wir schon wieder gehen, da die Italienische Bedienung schon seit 8:00 auf den Beinen war und schlußmachen wollte.

Ali

29.7.65 - Ali

29.7.65

Es war schon der 29. als wir uns hinlegten aber da alle sehr müde waren schliefen wir sofort ein. Um halb zwei besuchte uns noch ein Bobby (mit Fahrrad). Klaus hat ihn „höfflichst“ (in dem er den Finger auf den Mund legte) ruhig zu sein. Daraufhin zog der Bobby wieder los zum Frühstück, nach dem die beiden „fremden“ Mitschüler abgezogen waren, gab es die übriggebliebenen Stullen, ein Brötchen und Milch.
Nachdem wir uns für sixpence gewaschen hatten, gaben wir unser Gepäck in „Victoriastation“ ab. Jeder bekam von unserm sehr freundlichen Kassierer Rolli 10 Schillinge für Mittagessen und Abendbrot ausgezahlt. Um 11:00 trafen wir wieder mit unseren Englischen Kameraden zusammen, die uns schon am Abend vorher geholfen hatten. Paul und Rodger führten uns zuerst zur St. Pauls Kathedrale. Die meisten besuchten für 2 Schillinge die Whispering-Galerie und die Stone-Galerie. Einige sollen sogar die Golden Galerie oder die Krypta besucht haben.





Dann liefen wir zum Tower. Für -,1,6 konnten wir Beaf-eaters und Irish-Guards bewundern. Außerdem durften wir noch das Armouries-Museum bewundern. Ansonsten war es „to overcrowded“. Vor dem Tower aßen wir Eis für -,2,- obwohl man die gleiche Menge sonst für -,-,6 bekommen konnte. Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt begegneten wir einem Schreihals, der seinen Kameraden in einem Sack steckte, mit Ketten einwickelte und zwischen diese zu allem Überfluß noch zwei Säbel steckte. Dann ging er mit seinem Klingelbeutel herum, um Geld einzusammeln. Aber die Kupfermünzen schienen ihm zu wenig zu sein. Er verlangte, daß wir (die Zuschauer) noch einige (oder besser viele) Silbermünzen in den Kreis werfen, bevor er mit der Vorstellung beginne.
Nöck, Claudius und Karu lachten sich noch zwei Londoner Mädchen an, währen sich Hajo, Rolli und Klaus den ganzen Tag um Quartier und Busse nach Schottland bemühten hatten. Wir kamen dann in einer von der YMCA für die Ferien umgebauten schule unter. Das Heim war fast nur von Deutschen belegt.



Ali

28.07.65 - Ulf

28.07.65

um ca. 4:00 stiegen wir um, und jetzt konnten wir auch schlafen. Im Herbesthal ging es wieder zurück in den ersten Zug..
Kurz vor 15:00 Uhr erreichen wir Ostende. Wir kamen auf ein überfülltes Schiff, mit dem wir nach Dover fuhren.
Helga ging gleich in Ostende in den Schlafraum, wir anderen sangen noch und verteilten uns dann auf dem Deck. Nach zwei Stunden wurde die See immer bewegter.
Noch hing zwar keiner an der Reling, aber kurz darauf liefen Helga, die wieder herauf gekommen war, und Botti dorthin. In Dover mußten wir wieder durch den Zoll.
Hajo hatte sein Gepäck in den Zug getan und auf uns andere gewartet. Plötzlich fuhr sein Zug ab und sein Affe mit. Wir fuhren mit dem nächsten Zug. Hajo hatte sich schon in Dover zu uns gesellt. In London angekommen gingen Hajo und Helga gleich den Affen holen. Sie bekamen alles, außer den Koppel. Als wir zur Jugendherberge kamen sagte man uns dort, daß jeder von uns einen Herbergsausweis benötigt. Da wir auch woanders keine Schlafstelle bekamen, gingen wir in den Hyde Park und schliefen dort in einem Musikpavillon.

Ulf

27.07.65 - Ulf

27.07.65

Um 22:15 Uhr trafen wir uns am Bahnhof Zoo. Nachdem wir durch wiegen unserer Affen festgestellt hatten, daß Nöck am meißten zu tragen hat, gingen wir zur Bahn.



Durch einen Irrtum stiegen wir in den falschen Zug und bekamen keinen Platz. Nach den Zollkontrollen wurde uns ein Abteil 1. Klasse zugewiesen.

Ulf

Der vorher entworfene Zeitplan






Der vorher entworfene Zeitplan


27.07. Abfahrt von Berlin
28.07. - 31.07. Londonaufenthalt
01.08. - 06.08. Camp in Schottland mit schottischen Pfadfindern
07.08. - 18.08. Schottland-travel, hiken usw.
19.08. - 20.08. Edinburgh
20.08. - 21.08. Rückfahrt nach Berlin


Die Fahrt sollte 270,-DM kosten (ohne Taschengeld), später kamen noch Anschaffungen von Notproviant, Reiseführer und 7,-DM Versicherung hinzu.
Am Taschengeld wurde 30,- bis 50,-DM empfohlen

Ulf



Personen

Auf die Fahrt kamen 10 Jungen und 3 Mädchen mit:

Helga Hornauer
Christa Freiberg
Ingrid Teicher
Klaus Teicher
Hans-Jörg Hornauer (Hajo)
Günter Markgraf (Ali)
Bernd Meyer-Wülfing (Karu)
Jürgen Franke (Nöck)
Klaus-Peter Neugebauer (Claudius)
Ulf Hoffmeyer-Zlotnik (Botti)
Otto Pleuschinski
Ruprecht Barasch (Rolli)
Horst Wenzel



Fahrtenleiter: Klaus Teicher
Stellvertreterin: Helga Hornauer

Ulf